L`Affaire…

wurde am 26. März 1857 in Paris uraufgeführt. Die derzeit meistgespielte deutsche Übersetzung stammt von Elfriede Jelinek.

Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 20. Juni 1988 an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin statt.

Schon 1923 wurde das Stück mit Maurice Chevalier in der Hauptrolle verfilmt.

Hauptdarsteller Lumjée verbringt den Abend beim Ehemaligentreff seiner alten Schule. Am nächsten Morgen erwacht er ohne Erinnerung an die Geschehnisse neben einem fremden Mann, seinem ehemaligen Schulkameraden Laroche.

Aus der Zeitung erfährt er von einem brutalen Mord an einer jungen Kohlenschlepperin in der vergangenen Nacht. Unterstützt von einer Reihe von Indizien kommen die beiden zum Schluss, dass sie im Rausch jenen grausamen Mord begangen haben müssen. Nun versuchen sie, mit einer Reihe von immer grotesker werdenden Rettungsversuchen, einen drohenden Skandal abzuwenden.

Labiche setzt sich in seinem Stück mit den Dogmen der französischen Bevölkerung seiner Zeit auseinander. Hierbei bedient er sich der typischen Bilder des Spießbürgertums und wirft einen Blick auf die Fassade der ordentlichen Bürger, denen es nur um ihr eigenes Ansehen geht.

Eugéne Labiche wurde am 6. Mai 1815 in Paris in eine bürgerliche Familie geboren. Er studierte Jura und schrieb im Alter von zwanzig Jahren erfolglos Kurzgeschichten für eine Zeitschrift. Dann versuchte er sich als Theaterkritiker und schrieb und brachte 1838 zwei Stücke zur Uraufführung. Im selben Jahr veröffentlichte Labiche, der noch immer an seiner wahren Berufung zweifelte, einen Roman mit dem Titel „La Clef des champs„. Allerdings ging Labiches Verleger kurz nach Erscheinen des Romans bankrott. Ein glücklicher Zufall, denn diese rechtzeitige Warnung des Schicksals schickte ihn zurück auf die Bühne, wo ihn eine erfolgreiche Karriere erwartete. 

Gemeinsam mit anderen brachte er komische Stücke, durchsetzt mit Couplets, für verschiedene Pariser Theater heraus  und galt als erfolgreicher Vaudeville-Künstler. 1851 gelang ihm mit dem herausragenden Stück „Der Florentinerhut“ ein vollendetes Beispiel des französischen Imbroglio-Stils. In den nächsten 25 Jahren schrieb er weitere erfolgreiche Komödien und Vaudevilles, die alle im Grunde nach demselben Schema aufgebaut waren und eine gehörige Portion komischer Beobachtungsgabe und gesunden Menschenverstand enthielten. „Von allen Subjekten“, sagte er, „die sich mir anboten, habe ich den Bourgeois ausgewählt. Im Wesentlichen mittelmäßig in seinen Lastern und Tugenden, steht er auf halbem Weg zwischen dem Helden und dem Schurken, zwischen dem Heiligen und dem Verschwender.“

1877 beendete er seine Bühnenkarriere und veröffentlichte  seine komischen Stücke in zehn Bänden, die begeistert aufgenommen wurden. Man erkannte, dass Labiches Stücke ihre Popularität nicht den Schauspielern verdankten, die darin auftraten, sondern dass ihr Erfolg dem Schreiben selbst zu verdanken war.

Einige Bewunderer haben Labiche als gleichwertig mit Moliére angesehen; seine Stücke sind komplexer und weniger grob als viele andere Beispiele französischer Farce. Die Liebe kommt in seinem Theater praktisch nicht vor. In keinem seiner Stücke wagte er sich jemals in die Tiefen der weiblichen Psychologie, und die Frauenwelt wird nur durch prätentiöse alte und alberne junge Damen dargestellt. Er machte sich über die Ehe lustig, aber auf eine freundliche und gutmütige Art und Weise, die immer eine Tür für Reue und rechtzeitige Besserung offen ließ.

Eugène Labiche wurde 1880 in die academie française gewählt und starb am 22. Jänner 1888 in Paris. Er liegt auf dem Cimetiére de Montmartre begraben.

Peter Urschik
Lumjée, Rentier
Alexander Brandl
Laroche
Jürgen Bailey
Potard, Lumjées Vetter
Alexander Laimer-Netsch
Justin, Bediensteter bei Lumjée
Waltraude Reinwald
Norine, Lumjées Frau